Advent, besinnliche Zeit?

Veröffentlicht in Allgemeines mit den Tags , , , , , , , , , , , , , , , , am 29. November 2009 von Leo

Start in den Advent 2009. Nahezu alle Adventswochenenden sind terminlich ausgebucht. Die Traumvorstellung von stillen, leisen Adventsklängen zu Kerzenschein und Kaminfeuer, das gegen die ersten klirrend kalten Schneetage draussen kämpft, wird von Jahr zu Jahr mehr zu einer längst vergangenen idyllischen Traumwelt. Bei 10 Grad plus, hektischem Autoverkehr und dem üblichen Großstadtgewusel in der City blickt man auf die verblassenden Adventskalenderbilder, die vergrabene Erinnerungen aufblitzen lassen.

Wie ein Blitz war diese Woche auch wieder vorbei. Donnerstag wie gewohnt mit “City-Day”: einige Bestandskäufe im Antiquariat, sonstige Besorgungen für den Haushalt (für bestimmte Glühbirnen wird es schwierig, Läden zu finden, die sie anbieten), dem angenehmen Mittagstreff mit den alten Kollegen, ersten Geschenkeinkäufen.
Freitag abend Skatabend, wobei wir unbedachterweise in unserem Lokal nicht reserviert hatten, und prompt eine geschlossenen Gesellschaft unserem Kartendrang im Wege stand. Die Suche nach einem Ausweichlokal war zwar von Erfolg gekrönt, aber die Gastwirtin von einer nicht mehr zu übertreffenden Ungastlichkeit brachte uns einstimmig zu dem Urteil, dass dies wohl der erste und letzte Besuch an diesem Ort war.

Samstag abend von Freunden (ehemaliger Arbeitskollege) zu einem Dinner in Pinneberg eingeladen. Wunderbar gegessen (Ente), getrunken und Neuigkeiten ausgetauscht (Kollege arbeitet seit neuestem wieder im Süden/ München und führt eine Wochenendehe). Der unterhaltsame Abend fand etwas abrupt sein Ende durch den Anruf von Sohnemann, der seinen Autoschlüssel incl. Hausschlüssel, etc.. verloren hatte und nun vor dem nicht zugänglichen Auto siebzig Kilometer von zuhause entfernt stand. Das gab alles wieder neuen Zündstoff für Diskussionen und Regelungsbedarf. Nach unruhiger Nacht, einem ungeplanten Ausflug (70 km) und einigen Diskussionen hat sich wieder etwas adventliche Besinnung eingefunden. Auto und Inhalt wurden gerettet und freundliche Leute haben jetzt auch noch den vermissten Schlüsselbund aufgefunden. Wir können uns also wieder dem Adventskranz und dem ersten weihnachtlichen Gebäck zuwenden.
Eigentlich wollte ich nun in aller Ruhe die sonntäglichen Bundesligaspiele bei dem (teuer bezahlten) SKY verfolgen, da ertönt der Ruf: “Wir wollten ja ins Kino!” Es soll der alternde Richard Gere angehimmelt werden, in seinem neuesten Remake: Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft.

R. Gere und ein toller Hund. Mein kleiner Einwand, dass der Film blöderweise zeitlich parallel zur Bundesliga läuft, fand eine entwaffnende Antwort:”Du kannst es dir ja überlegen” Punkt.
Na gut, wir waren schon ewig nicht im Kino. Und dieser Gere-Film gibt mir sicher auch ein paar Punkte, damit ich meinen Wunschfilm in naher Zukunft anmelden darf: 2012.

Wirklich besinnlich so ein Advent. Bekomme nun leicht Hunger, freue mich auf den Kaffee und die Plätzchen.

Leo

Aufregende Zeiten

Veröffentlicht in Allgemeines mit den Tags , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , am 24. November 2009 von Leo

Nach ein paar Tagen Pause vom Internet, zumindest von diesem Blog, wieder zurück. Man hat eben auch als Halbrentner viel zu tun. Eigentlich wollte ich nahezu täglich meinen Alltag bloggen, aber manchmal schafft man’s nicht oder ist zu luschig, setzt andere Prios, etc. Vielleicht sollte ich mir vornehmen, morgens nach dem Frühstück ein paar Zeilen zu schreiben. Werd’s mal probieren.
Meine Teilnahme an der Quodlibet, der hamburger Antiquariatsverkaufsmesse, habe ich sehr genossen. Nicht übermässig viel verkauft, aber doch zufriedenstellend. Die gemachten Erfahrungen, den direkten Umgang mit Kunden und Besuchern, Kollegen usw. fand ich sehr erfrischend. Insgesamt bestärkte mich der Ablauf der Messe darin, dass das Gutenbergzeitalter seinem Ende entgegengeht. Viele Kollegen wollen das nicht wahrhaben, aber die Zeichen hierzu scheinen nicht nur am Horizont auf, sondern verwandeln sich in gleissende Spots, denen man nicht mehr ausweichen kann. Es wird mich dennoch nicht aufhalten und entmutigen, meiner Nebenbeschäftigung mit dem gedruckten Buch nachzugehen.

Gestern abend war eine tolle Runde bei Beckmann mit sehr interessantem Thema: Internet und wie es uns und unsere Welt verändert, der gläserne Mensch und die Allmacht des Netzes.. Die öffentliche Diskussion über diesen “Machtkampf” zwischen Mensch und System wird spürbar stärker und findet Eingang in sonst flaue Talkshows. Ich bin überzeugt, dass es nur noch wenige Jahre dauern wird, dass das Internet-System noch  rasantere Geschwindigkeit aufnehmen wird zur Vervollkommnung und Entwicklung eines eigenen Handelns und Bewußtseins. Vielleicht wird es schrecklich werden für uns Menschen oder segensreich, noch kann man das nicht sagen. Aber der Weg zur allumfassenden Verselbständigung und Mächtigkeit ist weit beschritten und nicht mehr aufzuhalten.
Karl Olsberg hat eine mögliche schreckliche Variante in seinem Thriller “Das System” vorweggenommen.

Wahrscheinlich sind die Zeiten nicht mehr fern, wo die beiden Google Gründer Sergey Brin und Larry Page sich nichts sehnlicher wünschen, sie könnten die Büchse der Pandora, die sie mit ihrer Suchmaschine und allen Konsequenzen, Entwicklungen daraus geöffnet haben, wieder schliessen. Aber diese Lawine wird weiterlaufen und vieles begraben. Die Firma Google hatte die besten Absichten, wird es eines Tages heissen.
Aufregende Zeiten in denen wir leben; man braucht wirklich keine SF mehr zu lesen, wenn sich in der Realität mit der Entwicklung des Internets und allen damit zusammenhängenden Themen eine Entwicklung zeigt, die weit über die Phantasien von Philip K. Dick oder Arthur C. Clarke hinausgehen. Bei mir formen sich auch einige Themen und Ideen für aktuelle SF-Geschichten; vielleicht sollte ich mir Zeit nehmen und versuchen, es zu Papier (haha) zu bringen.

Heute stand im Hamburger Abendblatt, dass die Post ihr normales Briefgeschäft bald einstellen wird, zumindest ein völlig neues Konzept anbieten will, nämlich eine Umstellung der besonderen Art: angeboten wird dann, dass E-Mails postalisch auf Papier den Empfängern zugestellt wird. Damit ist dann das Schreiben, das Anfertigen eines papierenen Briefes oder Dokumentes völlig out, aber man kann dann über die Post dem Empfänger noch etwas Materielles zustellen lassen. Ich glaube durchaus, dass dieses Konzept erfolgversprechend ist, aber es wird zu  einem Nischendasein führen, zumal sich die Post das bezahlen lassen will/muss. Damit ist für mich das Schicksal der Post auch klar. der Konzern wird sich auf diesem Sektor zum Nischenbetrieb entwickeln, mit der Folge von unzähligen Arbeitsplatzverlusten. Howard Rheingold, ein sehr kluger Internetbeobachter und Autor,  hat schon vor mehr als zehn Jahren derartige Entwicklungen (völlige Digitalisierung/ Virtualisierung) vorausgesehen.

Leo

Sonniges Gemüt

Veröffentlicht in Allgemeines mit den Tags , , , , , , , , , , , , , am 6. November 2009 von Leo

Nach fast einer Woche Internet-Pause (wir hatten Besuch von Tochter, Schwiegersohn und den beiden Enkeln) nun wieder ONLINE.
Das heutige Rabe-Kalenderblatt schmückt eine Zeichnung von Werner Gadliger: Eine Dame (wohl des 19. Jahrhunderts?) sitzt mit ihrer Lektüre auf dem Schoß  vor einem Lesetischchen. Im Hintergrund ist ein Porträtbild an der Wand und auch ihr ungemachtes Bett zu erkennen. Ein Hündchen beobachtet sie hinterrücks. Alles wirkt idyllisch. Doch da, was ist das? Ihre rechte Hand, die geöffnet zum Kopf greift… und da… ist kein Kopf zu erkennen! Ein riesengroßes SPIEGELEI bedeckt, verdeckt Haar, Kopf, Hals und Oberkörperansatz wie ein riesengroßer Hut mit Krempe!! Wie eine Riesensonne mit Lichteraura (Eiweiß). “Sonniges Gemüt” eben. ?? Was wollte uns der Künstler damit sagen?

Immer wieder, ja täglich stelle ich verwundert fest, dass viele Taten unserer Zeitgenossen fremdartig, verfremdet erscheinen.

Das kommende Wochende werde ich wie die sich anschliessenden Tage wohl hauptsächlich meiner Vorbereitung für die Antiquariatsmesse in der  nächsten Woche widmen. Von einem guten Bekannten habe ich weitere Kleinode, Literaturperlen in einem großen Paket bekommen. Diese harren nun der Bearbeitung. Es ist mmer wieder belebend, auf diese Weise neue Autoren, Philosophien und Phantasieergebnisse kennenzulernen. So hatte ich jetzt z. B. mit Rochefoucault, einem großen französischen Philosophen und Aphoristiker, zum ersten Mal das Vergnügen: ich erhielt sein kleines Büchlein “De la Rochefoucault’s Sätze aus der höheren Welt- und Menschenkunde.”
Der Bekannte beschrieb ihn mir als einen der weisesten Menschenkenner, und seine Aphorismen als mit die klügsten. Das zweisprachige Büchlein stammt aus 1790 !
Kleines Beispiel gefällig? “Alle Welt beklagt sich über schlechtes Gedächtnis, … und kein Mensch über schwachen Verstand.”

Eben mal wieder Jane Austen im Fernsehen (“Sinn und Sinnlichkeit“), da lob ich mir die Beschäftigung mit Bloggen und Bücher listen.
Soeben auch Werner Gadliger (der mit dem Spiegelei) gegoogelt: der schweizer Zeichner und Photgraph ist so alt wie ich! Und natürlich berühmt. Muss mir auch irgendetwas mit einem Spiegelei einfallen lassen.

Über meine fortschreitende Lektüre von Foster’s “Die Geschichte des Unendlichen” (trotz aller Lesefreude hat er mich zwischendurch mehrfach  mathematisch abgehängt) komme ich auf neue (Bücher-)Sammelthemen: das Unendliche selbst, oder auch Paradoxien. Scheinen unendlich interessante Themen zu sein. Und unerschöpflich. Es gibt sogar eine Paradoxie -mit unmittelbarem naturwissenschaftlichen Anstrich/ Hintergrund und Alltagsbezug-  nämlich die Eierkocherparadoxie (womit wir wieder beim Hauptthema “Sonniges Gemüt” wären). Diese gewichtige Lebensfrage, die absurd klingt und eben paradox ist, beschäftigt mich alle paar Wochen,  jedesmal wenn ich Frühstückseier in unserem Eierkocher zubereite: weshalb muss umso weniger Wasser in den Eierkocher gefüllt werden, je mehr Eier man kochen will? Eigentlich müsste es doch mehr Wasser sein! Beschreibung und diverse Erklärungen des Paradoxons finden sich gottseidank sehr aus führlich bei Wikipedia. Dies unterstreicht die Bedeutung. Und macht Hunger nach mehr, incl. der vielfältigen Literatur dazu.

Stelle fest, dass ich ein viertel Jahr nach Beendigung meines kaufm. Angestelltendaseins mich doch schon sehr weit davon entfernt habe… geistig, etc.

Leo

November ante portas

Veröffentlicht in Allgemeines mit den Tags , , , , , , , , , , , am 27. Oktober 2009 von Leo

Meine Tage sind derzeit wieder sehr ausgefüllt. Die Vorbereitungen für meine Teilnahme an der Antiquariatsverkaufsmesse “Quod libet” nehmen meine Zeit in Anspruch. Nicht nur das Selektieren der mitzunehmenden Bücher, ihre Aufbereitung und Beschäftigung mit den Werken und den Autoren, sondern auch die Organisation des Drumherums wollen erledigt werden. Einladungen und Kataloge verschicken, Versicherungen und Transport klären, usw. Nun bin ich ja einer der ganz kleinen Antiquare, und ich frage mich wie bewältigen diese Arbeiten die wirklich großen Antiquariate. Naja, sicherlich haben die auch ihr Personal dazu; bei mir geht alles über eine Person.
Eigentlich wollte ich im Dezember noch an einer weiteren teilnehmen, habe dort mich aber zu spät beworben, und wurde auf nächstes Jahr vertröstet.

Die Zeitumstellung zur Winterzeit kommt mir als Eule immer sehr entgegen. Ich brauche auch überhaupt keine Umstellungsphase. Eine Stunde später aufstehen, geht mit links und etwas später zu Bett mit rechts und links.

Ein Blick auf meinen Rabe-Tages-Abreiss-Kalender ist immer einen Blick wert (habe ihn leider in den letzten Monaten sträflich und zu Unrecht vernachlässigt, denn ich finde diesen literarisch kulterellen Spot-Kalender wirklich Superklasse; freue mich aufs Nachlesen der abgelaufenen, ungelesenen  Tagesblätter. Man erfährt einmal, welche Vipi s (very iportant person, indeed) Geburtstag oder Sterbetag haben, und bekommt zusätzlich durch einen kleinen Beitrag, Cartoon, etc. meist was zu lachen in dieser tristen von schröcklichen Nachrichten durchzogenen Welt. So heute: Geburtstage: Paganini, Thomas Dylan (der mit dem Milchwald), Sylvia Plath (wollte schon immer was von ihr lesen) und … ja John Cleese wird rüstige 70. Das ist der Star der Monty Python Gruppe, sehr vereehrt von mir; siehe “Das Leben des Bryan“, “Die Ritter der Kokosnuss“, und.. natürlich “Ein Fisch namens Wanda“. So richtig komische, zum Lachen zwingende literarische oder filmische Arbeiten sind äußerst selten, finde ich. Es ist wohl sehr sehr schwer, die Menschheit zum Lachen zu bringen. Monty P. schafft das, jedenfalls bei mir. Es gibt natürlich jede Menge Leute, die behaupten das Gegenteil und können mit dieser Art von Humor überhaupt nichts anfangen, und finden es schlichtweg blöden Klamauk (so, meine Frau). Übrigens twittert John Cleese, man kann ihm also”folgen“:. Hab ihm über twitter zum Geburtstag gratuliert; meine Frau hat sich irgendwie an die Stirn getippt.
Ja, was ist noch auf dem Kalenderblatt? Eine Städtewerbung, speziell für bibliophile Typen: “HAY-ON-WYE, a four pub town in Wales, macht Anlockwerbung mit der Aussage es sei die Gebrauchtbuch-Hauptstadt der Welt. Auf ihrer website titeln sie: Hay-on-Wye has become world famous for its secondhand and antiquarian bookshops. At present there are approximately thirty major bookshops in the town some specialising whilst others carry general stock.” Hm, wir wollten nächstes Jahr nach Schottland, aber vielleicht lässt sich das ja verbinden.
Also, der Kalender gibt ne Menge her, vielleicht sollte ich hin und wieder aus ihm zitieren für alle Nicht-Raben-Kalender-Besitzer.
Dabei kommt mir auch die Idee, die Kalenderblätter nicht abzureisen und wegzuwerfen, sondern den Kalender jungfräulich zu lassen, vielleicht könnte man da ein Gebrauchtgeschäft für Liebhaber generieren; inhaltlich ist er unvergänglich und auf hohem Niveau. werde dies mit dem nächsten 2010 mal ausprobieren. Bei 2009 fehlen zu viele Seiten.

Zum Schluß noch ein Zitat, das ich gefunden habe (so richtig nach meinem Geschmack): “DAS NICHTS NICHTET” (Martin Heidegger).

Leo

Tempus fugit

Veröffentlicht in Allgemeines mit den Tags , , , , , , , , , , , , , am 23. Oktober 2009 von Leo

Ja, das tut sie. Wie nichts ist die Woche vergangen.

Gestern kehrte ich ohne Ein-/Zukäufe aus der Stadt zurück. Solche Tage sind selten, aber ich habe mir in einem Antiquariat was zurücklegen lassen. Mittags traf ich mich wie jede Woche mit Kollegen zum Lunch. Die Café-Besitzerin spendiert mir immer nach dem Essen ein Stück selbstgebackenen Kuchen. Irgendwie hat sich das in den letzten Wochen/ Monaten so eingebürgert. Am späten Nachmittag brachte mir ein (neuer) Bekannter interessante alte Buchexemplare zum Kommissionsverkauf vorbei. Abends verfolgte ich die Siegpartie des HSV im Fernsehen. Mein anschließender Versuch, noch ein paar Zeilen zu schreiben, endeten mit raschem Versinken in Tiefschlaf auf dem Wohnzimmersofa.
Die Müdigkeit und der Schlaf ließen mich heute Morgen (schreibt man nach neuer Rechtschreibung groß, wie ich eben gelernt habe) auch erst um acht Uhr aus dem Bett. (Robby Williams erzählt gerade im Fernsehen, dass er stolz ist auf seine grauen Haare).

Vormittags die üblichen Verrichtungen und Besorgungen: Einkaufen, Post, Online-Banking, diverse Bestellungen aufgeben usw. Zu Mittag habe ich heute ein Wok-Gericht gekocht: Hühnerbrustfilet mit Porree, Sprossen, Pilzen, chinesischen Nudeln, Paprika, Zwiebeln, Ingwer, Chili-Sauce, Soja-Sauce, Chilis, Brühe, Nutella und Erdnüssen. War zwar etwas aufwendig die Schnippelei, hat aber lecker geschmeckt.

Meine Lektüre D.F. Wallace über die Unendlichkeit finde ich von Seite zu Seite interessanter und spannender. Wahrscheinlich werden 98% der übrigen Leute sagen “Was liest der denn für einen verrückten Quatsch”; und können mit den Themen nichts anfangen. Aber Wallace versteht es so wunderbar, diese schwierigen Ecken der Mathematik und Philosophie auszuleuchten und mit einfachen Worten, mit einer mit viel Humor und Witz durchzogenen Sprache diesen riesigen Geschichtsbogen aufzuziehen, es ist eine wahre Freude. Es wird mit Sicherheit nicht das letzte Buch sein, das ich von ihm lese. In sein Riesenopus “Ein unendlicher Spaß” (1600 Seiten) habe ich schon ein bisschen hinein gestöbert. Aber zurzeit hat ja erste Prio die Vorbereitung auf die Buchmesse.
Per Mail kündigte mir heute Abend ein anderer guter Bekannter aus dem Badischen die Zusendung exquisiter Titel antiquarischer Pretiosen an. Wahrscheinlich muss ich demnächst Überstunden machen, um alles zu schaffen (jaja: Haha, ich stimme ein).
Auch die Zeitung fand ich heute interessant: Paul McCartney kommt im Dezember nach Hamburg, in die Color Line Arena. Er startet seine neue Europatournee in Hamburg, wo alles begann. Als alter Beatles Fan würde ich da auch gerne hin. 2001 bei seinem letzten Konzert im Stadion war ich auch schon gewesen.  Dann las ich von einer neuen Kunst-Ausstellung in Wolfsburg, die ebenfalls mein Interesse weckte: James Turrell zeigt in seinem “Wolfsburgproject” die Welt des Lichts. “Es kann zu sonderbaren Reaktionen des Körpers kommen”.
Ja, und dann noch der lange Artikel auf Seite 3: Auf der Suche nach fernen Welten. Neue Erkenntnisse bei der Erforschung des Weltalls und bei der Suche nach außerirdischem Leben. Alles tolle Sachen, mit denen aber die Sekunden und Minuten verrinnen.

Der Abend neigt sich auch schon wieder dem Ende. Habe noch eine Buchbestellung versandfertig gemacht, leckeren Apfelkuchen und Kaffee genossen und werde mir jetzt noch ein Glas sizilianischen Rotwein gönnen.

Leo

Stress zuhause

Veröffentlicht in Allgemeines mit den Tags , am 21. Oktober 2009 von Leo

Wahrscheinlich glaubts keiner, aber auch zuhause kann man in Stress geraten. Wahrscheinlich bereitet man sich den aber selbst.
Zuviel auf einmal zu erledigen. Der Tag ist verflogen.
Und doch gehts mir gut.

Quelle ist darnieder und abertausende arbeitslos und mit unsicherer Zukunft. Manchmal frage ich mich, wielange diese Teilung der Gesellschaft noch gut geht oder ob es nicht doch zu einer sozialen Revolution führt.
Zu spät zum philosophieren, muss langsam ins Bett, morgen ist ein neuer Tag, anstrengend aber schön. Schon wieder Stadttag.

Leo

Nachlese Buchmesse Frankfurt

Veröffentlicht in Allgemeines mit den Tags , , , , , , , , , , , , , , , , , am 20. Oktober 2009 von Leo

Ein paar Tage Unterbrechung meiner Hausmanntätigkeit taten ganz gut. Allein die Fahrt nach Frankfurt mit dem Auto erscheint mir von Jahr zu Jahr anstrengender. Übernachtet habe ich bei Verwandten, so dass ich abends gut versorgt war nach dem Rummel auf der Messe. Wirklich Neues oder Überraschendes gab es für mich nicht. Einen ganzen Tag verbrachte ich im Antiquariatsbereich, tauschte mich mit Kollegen aus, bewunderte die hochpreisigen Edelstücke; es waren doch einige Werke deutlich über 10.000 Euro im Angebot.  ich verglich manche Preise mit meinen, machte mir Notizen und schrieb mir einige Titel für meine Beschaffungsliste auf.
Klar dass ich neben den kiloschweren Prospektmitbringsel auch einige gebrauchte und neue Bücher erwarb. Eigentlich will ich das mit den Prospekten seit Jahren lassen, aber dann sammelt man sie doch ein.
Autorenlesungen wohnte ich nur in einigen Fällen bei. Anregend fand ich Safranski mit seinem neuen Buch “Goethe und Schiller“. Werde ich mir sicher noch besorgen. Überhaupt entdecke ich mehr und mehr die Klassik.
Beim Börsenverein für den Buchhandel entdeckte ich ein wunderbares, mit Tiefgang ausgearbeitetes und sehr nützliches Handbuch-Werk (3 Bände) über den Cotta-Verlag: “Der Verleger Johann Friedrich Cotta“. Akribisch hat der Autor (Bernhard Fischer, geb. 1956, studierte Deutsche Philologie, Philosophie und Kunstgeschichte. Seit 1992 ist er als Leiter des Cotta-Archivs im Deutschen Literaturarchiv Marbach tätig) jede Edition des Verlages en detail beschrieben. Über sechs Jahre soll er an dem Werk “gewerkelt” haben. kein Wunder bei der Detailtiefe und -breite wie hier meist über Klassikerausgaben (Cotta gilt als der Klassiker-Verleger) recherchiert wurde.
Was mir auch imponierte, dass bei den meisten sogar die jeweilige Auflagenhöhe vermerkt ist, was ich bei anderen Bibliographien und Verlagsdokumentationen meist schmerzlich vermisse. Zuhause habe ich dieses Prachtwerk gestern gebraucht geordert, auch wenn ich (noch) nicht viel Klassiker in meinem Angebot habe. Ich stellte dabei fest, dass dieses Sekundärbuch selbst ein lukratives Handelsobjekt für einen Antiquar darstellt, denn offenbar ist es verlagsseitig nicht mehr lieferbar und wird selten gebraucht angeboten (steht bei den Antiquaren wohl fest und unverkäuflich in ihrer Handbibliothek). Die Gebrauchtpreise können sich ganz gut sehen lassen. Der frühere Neupreis lag bei (stolzen) 248 Euro (siehe sechs Jahre Arbeit!), aktuell habe ich zwei Angebote gesehen: a) 375 Euro und b) 535 Euro. Das sind gute Steigerungsraten für die drei Bände seit ihrem Erscheinen 2003. Beachtlich auch der Amazon-Verkaufsrang: 132.765. Das spricht für hohe Nachfrage. Jedenfalls ein Titel, den man sich für Mehrfachkäufe merken muss.
Am Wochenende war das große Getümmel der “freien” (Nichtfach-)Besucher. Buch- und Menschenmassen-gesättigt fuhr ich dann spät abends nach der Messe nach Hause.

Gestern ging der Tag rum wie nix. Aufräumen der Messemitbringsel, Mails lesen, eingegangene Bestellungen bedienen, Kochen (Leber mit Kartoffelpürree), lesen, telefonieren und leider zu lange schlafen. Auch der heutige Vormittag ist viel zu schnell vorbeigegangen. Musste die Buchbestellungen versandfertig machen, zur Post bringen, Einkaufen gehen usw.
Zudem stieß ich heute Morgen eine Kaffeetasse um, eine volle! Die Hälfte verteilte sich auf dem Wohnzimmerfußboden und leider die andere Hälfte auch auf meinen um mich versammelten Papieren und einem schönen Kartenwerk (Präsent für einen Kunden). Es kostete mich eine fluchende halbe Stunde der heimischen Entropie entgegenzuarbeiten. Überhaupt scheint man mit fortschreitenden Jahren schusseliger zu werden. Ob es da wohl eine Antwort der Wissenschaft gibt, woher das rührt? Meine These: Man verliert zunehmend den nicht sichtbaren, aber direkten, wie auch immer gearteten “Draht” zu der umgebenden Materie/ Umgebung.

Apropos. zum Schluss noch eine wirklich super Buchempfehlung: Lese zur Zeit mit großem Vergnügen und kann kaum unterbrechen David Foster Wallace’ “Die Entdeckung des Unendlichen, Georg Cantor und die Welt der Mathematik. Es ist tatsächlich unterhaltsam, lehrreich und gut lesbar (wie der Rücken behauptet), auch für Nicht-Mathematiker.
Wallace aktuell überall präsentes Buch “Unendlicher Spaß: Infinite Jest” habe ich noch vor mir, mich noch nicht rangewagt an die mehr als 1.600 Seiten. Aber nach dieser wunderbaren Erfahrung seines Könnens in dem Cantor-Buch, werde ich sicher bald mit der Lektüre beginnen.

Leo

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