Zündung

Dass ich im August eher weniger Beiträge geschrieben habe, mag manchen zu der Frage verleitet haben, ob es nicht ausreichend Themen gibt oder ich etwas die Lust verloren habe. Beides trifft nicht zu, ganz im Gegenteil:

Insbesondere im August war zu beobachten und zu erkennen, mit welcher Geschwindigkeit und mit welchem Druck die technologischen Fortschritte unserer Schönen Neuen Welt voranschreiten. Wie bei einem Raketenstart wurden alle Düsenrückstoßventile geöffnet und der Treibstoff sichtbar für jeden gezündet.

Ausgangspunkt und Motivation für den Start meines Blogs im Januar war, die noch spärlicheren Informationen über die Schöne Neue Welt-Themen zu filtern und den Lesern bewusst zu machen. Ich wies daraufhin, dass der Verlauf ähnlich wie beim Start des Internets sein würde: alle unsere Medien würden sich in steigendem Maße damit beschäftigen und uns alle dazu ins Boot holen. Ich rechnete damit bis Ende des Jahres. Doch ich lag falsch.

Bereits heute, Ende August 2017, ist der Informationsanteil an den Technologiethemen in unseren Alltagszeitungen, Zeitschriften und Magazinen, Sach- und Fachbüchern, Funk, Fernsehen und Internet immens gewachsen. Es vergeht kein Tag, an dem nicht FAZ, Die Welt, Süddeutsche, Zeit, Handelsblatt usw. auf seitenstarken Artikeln die wunderlichsten Neuigkeiten uns ins Bewusstsein befördern.

Prüft man die Cover- und Titelverzeichnisse in den großen Bahnhofs- /Flughafenkiosken so wird man mehr als fündig: Artikel, Sonderausgaben von Magazinen, ja, neue Quartals- und Monatshefte zur Digitalisierung, bedrohlichen und heilsbringenden Algorithmen, arbeitsraubenden Maschinen und Robotern, neuen Heilsversprechen durch Erkenntnisse in der Genetik bis hin zum Sieg über den Tod oder zumindest eine methusalemige Lebensverlängerung, die evolutionäre Weiterentwicklung des Menschen oder das Gegenteil, die Auslöschung unserer Spezies, durch den Durchbruch der künstlichen Intelligenz, an der immer mehr Menschen, Gruppierungen, Universitäten und Firmen arbeiten.

Auch im Internet tauchen täglich neue Sites, Blogs und Plattformen zu den Themen auf.

Es gibt neue Messen, Diskussionsrunden, Symposien (wie der ZEIT-Konvent Anfang September in Berlin zum KI-Thema) und vieles mehr; ja, wer im Alltag sensibilisiert ist, wird bemerken, dass viele unsere Gespräche im Freundes- Familienkreis sich immer öfter um diese Themen drehen. Seien es nun die autonomen Fahrzeuge oder die digitalen Finanzanlageberater.

Angesichts dieses Informations- Overflows erweist sich die Fortsetzung meines Filterprojektes in der begonnenen Form als unzuträglich, obsolet ja absurd. Auch das war vorauszusehen.

Und noch eines war vorauszusehen: je breiter und stärker diese Informationswelle uns überrollt, desto schneller verlernen wir, uns zu wundern. Wir erleben, wie Alltag entsteht. So wurde schon das Auto, die Glühbirne, das Internet Alltag, das Smartphone und vieles mehr, ohne das wir nicht mehr existenzfähig sind.

Doch dieses Abgleiten ins Alltägliche bei unseren Themen kann gefährlich sein, insbesondere da sich meines Erachtens eines als zentrales, beherrschendes zeigt: die Schaffung einer künstlichen Intelligenz und der Zeitpunkt einer möglichen Singularität. Auch hierbei sind die Triebwerke sichtbar gezündet, und es ist mit einem Take Off zu rechnen. So die Bezeichnung von Nick Bostrom in seinem tiefgehend aufklärenden, philosophischem Buch „Superintelligenz“. Das Gefährliche liegt darin, dass es um hopp oder top für die Menschheit geht. Das ist keine SF oder Theatralik, sondern nur potenziale logische Denksequenz. Für beide Folgemöglichkeiten gibt es Vor- und Nachdenker, breite und auch prominente Anhänger- und Gegnerschaften.

Meine Aufforderung an den Leser: bewahre die Fähigkeit des Wunderns, Bewunderns, bleibe wachsam und aufmerksam, bring dich ggf. aktiv ein, wenn es erforderlich wird.

Vielleicht ist es von Interesse, auf welche Hauptquellen ich zurückgreife, woher ich meine Informationen für den Blog ziehe:

Die frischesten Informationen liefert, wie könnte es anders sein, das Internet mit diversen Möglichkeiten:

– bewusstes und aktives Suchen von themenrelevanten Neuigkeiten

– Abonnements diverser Newsletter einschlägiger Seiten, Plattformen, verwandter Blogs

– Nutzung mehrerer Google alert-bots (Google bietet zur persönlichen Nutzung parametrisierbare Suchbots, die permanent das Netz nach aufgegebenen Stichworten durchsuchen und die Ergebnisse an die mailbox liefern: https://www.google.de/alerts). Zur Zeit installierte Alarme zu unseren Themen: „Amazon“, „Big Data“, „Google“, „Künstliche Intelligenz“, Network Science“, „Psychometrik“, „Singularität“, „Virtual Reality“ Das könnte man noch beliebig ausweiten, aber mehr Masse bringt nicht unbedingt mehr Qualität oder Neues. Es wird auch schnell unübersichtlich (s.o.)

– als überaus nützlich hat sich für meinen Blog auch die wachsende Nutzung meines Twitter Accounts erwiesen. Zum einen entwickelte und entwickelt sich Twitter verstärkt zur schnellen Kommunikationsnetzverbindung der intelligenteren Schicht, ob Künstler, Autoren, Wissenschaftler, Institute und Universitäten. (Facebook ist eher der Boulevard). Die Handhabung ist kinderleicht: per Einknopfbedienung folgt man einer Persönlichkeit ohne vorausgehende Genehmigungsprozedur und ist sogleich im Verteilerkreis, passivem Leserkreis seiner Kurzmeldungen. Mittlerweile bin ich Follower vieler bekannter Accounts (Unternehmer, Visionäre, Erfinder, Autoren, Institute, etc). Und bekomme verzögerungsfrei ihre Gedanken, Meinungen, Vorhaben, Erfindungen, Hinweise und Links präsentiert, und ja auch dieses: manche Ereignisse, Neuigkeiten, die auch diese Leute erstaunen oder verstören. Und darüber hinaus ergeben sich auch neue interessante Verbindungen zu starken (Knoten) Personen, es ist wie der Aufbau eines persönlichen Interessen folgenden Netzwerkes im Sinne der „Kleinen Welt -Theorie“ (Six Degrees of Separation: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kleine- Welt-Phänomen).

Wer eine Aversion gegenüber sozialen Medien hat, dem sei gesagt: ja, die fürchterlichen Nachteile und Missbrauchsmöglichkeiten sind bekannt, aber Twitter scheint ein wenig ein brauchbareres Werkzeug zu sein, die gebotenen Vorteile übersteigen sichtbar die Nachteile. Und technische Hilfe, um die Menschen zusammenzubringen, ziehe ich deutlich den Dingen vor, die sie trennen, isolieren.

Und den Prinzipienreitern sei gesagt, dass es selbstverständlich auch die Amish People gibt und geben darf, die selbst im 21. Jahrhundert den elektrischen Strom negieren/ verteufeln und ihre Äcker mit Pferden und Handpflügen bearbeiten.

Ergänzend und vertiefend beziehe ich Informationen etwas verzögert aus Tageszeitung (Hamburger Abendblatt), der ZEIT, diversen Magazinen, TV und natürlich letztlich aus ausgewählter Buchlektüre. Bei letzterem bin ich überrascht über die Fülle aktueller Neuerscheinungen, insbesondere aus dem anglo-amerikanischen Bereich. Die deutschen Übersetzungen haben leider eine Verzögerung von mehr als einem Jahr.

Warum all diese neuen Technologie-Entwicklungen mit solcher Geschwindigkeit über uns hereinbrechen und uns dadurch schwindeln lassen, darüber werde ich demnächst berichten.

Leonardo

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