Schöne neue Welt auf der Frankfurter Buchmesse

Leo: Letzte Woche besuchte ich wie jedes Jahr zwei Tage lang die Frankfurter Buchmesse. Mein Hauptinteresse liegt dabei nicht bei den großen Publikumsverlagen und ihren kurzlebigen Belletristikeditionen, sondern bei der integrierten Antiquariats-messe (Plausch mit den Kollegen), den Kleinverlagen und den Sachbüchern ausländischer Verlage. Außerdem sauge ich tief den Flair und die aktuellen Stimmungen beim Bummel durch die Hallen ein. Es kommt zu kurzen Stippvisiten interessanter Vorträge, Sichten von Autoren und/oder Prominenten (z.B. Udo Lindenberg), usw. Ich habe bei vielen Messebesuchen immer wieder festgestellt, dass die überraschendsten und ansprechendsten Begegnungen und Entdeckungen in der Regel häufiger erfolgen, wenn man sich treiben lässt und dem Zufall Gelegenheit für sein Spiel lässt.

Verblüfft wurde ich diesmal auf einen kleinen Stand eines Start-ups aufmerksam: an der Begrenzungswand stand in großen Lettern „Qualifiction. Bestseller-DNA. Software zur Vorhersage von Buch-Erfolgen.“. Das weckte sogleich mein Interesse, insbesondere da ich ja erst vor einigen Wochen ein Buch mit dem Titel „Der Bestseller Code“ gelesen, ja verschlungen hatte. Das Buch, erschienen 2016 von Jodie Archer und Matthew L. Jockers, beschreibt die erfolgreiche Algorithmenentwicklung zum Lesen, Analysieren, Beurteilen von Texten und Voraussagen von Bestsellererfolgen schöner Literatur, aber auch von Sachbüchern. Archer und Jockers informieren darin über Ihr in 2016 abgeschlossenes Projekt. Näheres findet sich auch auf  der neuen Website der Autoren. Erst im August 2017 war die deutsche Ausgabe bei Plassen erschienen, die ich dann fast am Stück gelesen hatte:

bestsellercode

Und nun knapp zwei Monate nach der Lektüre des Buches erfahre ich auf der Buchmesse, dass es ein junges, nur wenige Monate altes Kleinunternehmen in Hamburg gibt, das sich anschickt, die gleichen Ziele wie Archer und Jockers zu verfolgen, um mit schlauer Software literarische Qualität zu beurteilen und Verkaufsfähigkeit vorauszusagen.

Riesen-Tool für die Verlage? Oder doch Aushöhlung des Lektorenberufsstandes? Ratgeber für Autoren? Software, die selbst Bestseller schreibt?
Wie weit wird diese erst vor kurzem begonnene Entwicklung gehen? Man darf gespannt sein.  Am Stand hatte ich dann eine intensive Diskussion mit den Machern:
Dr. Ralf Winkler und Gesa Schöning.

Nun bricht KI mit Macht in Literatur, Kunst und Geisteswissenschaft ein. Da haben wir bald einiges zu erwarten.

Leonardo

mehr Lesen? weiterführende links: Website „Qualifiction“ und wer möchte: in der FAZ wurde von einem konkreten Versuch auf der Messe berichtet. FAZ
(leicht und locker, nicht so ganz ernst zu nehmen, aber die neuen Entwicklungsrichtungen sind doch sehr bemerkenswert).

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