Und nochmal Googles virtuelle -reale Welten

Leo: Wen es nicht mit Google Maps hinaus in den Weltraum zieht, und wer sich eher zu Kulturthemen hingezogen fühlt, aber sein Heim wegen schlechten Wetters, chaotischen Verkehrs und/ oder wenig Zeit und schmalem Restmonatsbudget nicht verlassen möchte, oder wenn jemand aus gesundheitlichen Gründen ans Haus gefesselt ist, der kann  mit Hilfe von virtuellen Rundgängen im Streetview-Modus weltweit Museen oder andere Kultur- und Kultstätten besuchen. Ein guter Ausgangspunkt ist dafür Googles
„Art & Culture“ Plattform. Ob moderne Kunst, Nationalparks oder aktuelle Ausstellungen in der näheren Umgebung, für Abwechslung und reichhaltige Angebote für Kunst-/ Kulturhungrige ist gesorgt. Täglich wachsen die Besichtigungsmöglichkeiten. Auch die Technik der virtuellen Bewegung durch die Orte wird permanent verbessert.
Ich empfehle als Basistest an einem dieser wetterschmuddeligen Herbsttage einen Besuch im wundervollen Rijksmuseum in Amsterdam.
Wer sich nach dem zeitlich begrenzten, virtuellen Besuch die niederländische Kunst dauerhaft nach Hause holen möchte, und noch für Bücher zum Anfassen was übrig hat, dem sei an dieser Stelle Marcel Wanders 2015 erschienenes Buchwunder
Rijk, Masters of the Golden Age“ (ISBN: 978-9491525292) empfohlen.

Marcel_Wanders_Rijks_MastersoftheGoldenAge_Overview

Das Buch gibt es in unterschiedlichen Ausführungen: Gold oder Silber und in  zwei Formaten. Beschrieben und beworben werden die drei Editionen:

„Designer Marcel Wanders has presented his latest project at the book fair in Frankfurt (2015): the art book ‘Rijks, Masters of the Golden Age’. It is an homage to the 17th-century Dutch masterpieces from the Gallery of Honour of the Rijksmuseum in Amsterdam.

The book brings us eye to eye with over 60 iconic paintings. Each piece is experienced up close with the most surprising details, as the finest printing techniques bring these paintings to life. 28 critical thinkers from the worlds of philosophy, art, film, food, trend, business and design explain how their perception of the world has been influenced by one of these paintings.

First, a Unique Art Edition crafted completely by hand with a gold-plated emblem and gold plating, 2,5D printed reproduction, handwritten calligraphy, textile pages and hand lacquered paintings. This version weights 40 kilograms and measures 70 x 50 x 9 cm. The Limited Edition at 35 kilograms with the same dimensions, has silver plating and is printed with the finest inks. Finally, an unlimited 5-kilogram coffee table edition is available for wider distribution, measuring 33.2 x 23.7 x 5 cm.“

Das Reichsmuseum Amsterdam hat sich für die Gestaltung ihres Museumsbesuches einen ihrer renommiertesten Designer ausgesucht: Marcel Wanders. Damit wurde nicht nur der Inhalt zur Abbildung von Kunst, sondern das Buch selbst zu einem Kunstwerk. Jedem Bibliophilen geht das Herz auf beim Aufschlagen dieser Folianten.

Die riesengroßen, limitierten Editionen sind eher was für Investoren mit viel Präsentationsraum und großem Geldbeutel (Preis ca. 5.600 €, incl. Spezialstuhl/ -tisch), aber es gibt ja noch die kleineren Varianten, die wiegen zwar auch noch knapp 5 kg und haben eine ordentliche Foliantengröße von über 30 cm. Diese sind auch trotz wundervoller Ausstattung und rundum Goldschnitt deutlich günstiger. Vor Ort in Amsterdam im Museumsshop für 125 € zu haben. Die virtuellen Besucher können diese Edition natürlich sich auch über Online-Buchhandlungen ins Haus bestellen.
Auch bei mir ist diese „kleinere“ Edition

Rijks - 1.jpg

bestellbar. Mein Angebot: 89 € versandkostenfrei). Es ist nur ein Exemplar verfügbar.

Leonardo

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Google Maps ermöglicht Spaziergang durch Weltraumstation und visuelle Besuche von Planeten und Monden.

Leo: Ich erinnere mich noch sehr genau an mein erstes Erlebnis mit Google Maps und meine Begeisterung über die visuelle, virtuelle „Fahrt“ vom Arbeitsplatz in der Hamburger Innenstadt nachhause in Sasel, im Nordosten Hamburgs. Ich konnte mich nicht sattsehen an der grandiosen Funktionalität dieses Google Features. Es war einfach toll, auf sein eigenes Haus zu zoomen, auch wenn die benutzten Bilder Jahre alt waren. Dann kam viel hinzu, Routenplanung und Navigation, Streetview, das vielen zu intime Einblicke bescherte, usw. Google Maps eroberte nach der „Landnahme“ die Meere und auch die antike Geschichte Roms. Auch die 3D-Realisierung wurde immer realistischer. Wieder einmal sorgt nun Google Maps durch eine Erweiterung für Furore: Wer schon immer mal einen Spaziergang durch die Weltraumstation mit all seinen Details machen wollte und auch Blicke aus den Fenstern der Station auf unsere Erde werfen wollte,Raumstation - 1
Screenshot Google Maps

wer sich von der Erde weg „beamen“ und in Umlaufbahnen um andere Planeten (Mars, Pluto usw.) oder deren Monde begeben wollte, also eine phantastische virtuelle Reise durch unser Planetensystem vom Sofa aus unternehmen wollte, der erprobe diese neue Ergänzung von Google Maps. Die NASA stattete Google mit den notwendigen Bildern hierfür aus.

Schöne neue Welt auf der Frankfurter Buchmesse

Leo: Letzte Woche besuchte ich wie jedes Jahr zwei Tage lang die Frankfurter Buchmesse. Mein Hauptinteresse liegt dabei nicht bei den großen Publikumsverlagen und ihren kurzlebigen Belletristikeditionen, sondern bei der integrierten Antiquariats-messe (Plausch mit den Kollegen), den Kleinverlagen und den Sachbüchern ausländischer Verlage. Außerdem sauge ich tief den Flair und die aktuellen Stimmungen beim Bummel durch die Hallen ein. Es kommt zu kurzen Stippvisiten interessanter Vorträge, Sichten von Autoren und/oder Prominenten (z.B. Udo Lindenberg), usw. Ich habe bei vielen Messebesuchen immer wieder festgestellt, dass die überraschendsten und ansprechendsten Begegnungen und Entdeckungen in der Regel häufiger erfolgen, wenn man sich treiben lässt und dem Zufall Gelegenheit für sein Spiel lässt.

Verblüfft wurde ich diesmal auf einen kleinen Stand eines Start-ups aufmerksam: an der Begrenzungswand stand in großen Lettern „Qualifiction. Bestseller-DNA. Software zur Vorhersage von Buch-Erfolgen.“. Das weckte sogleich mein Interesse, insbesondere da ich ja erst vor einigen Wochen ein Buch mit dem Titel „Der Bestseller Code“ gelesen, ja verschlungen hatte. Das Buch, erschienen 2016 von Jodie Archer und Matthew L. Jockers, beschreibt die erfolgreiche Algorithmenentwicklung zum Lesen, Analysieren, Beurteilen von Texten und Voraussagen von Bestsellererfolgen schöner Literatur, aber auch von Sachbüchern. Archer und Jockers informieren darin über Ihr in 2016 abgeschlossenes Projekt. Näheres findet sich auch auf  der neuen Website der Autoren. Erst im August 2017 war die deutsche Ausgabe bei Plassen erschienen, die ich dann fast am Stück gelesen hatte:

bestsellercode

Und nun knapp zwei Monate nach der Lektüre des Buches erfahre ich auf der Buchmesse, dass es ein junges, nur wenige Monate altes Kleinunternehmen in Hamburg gibt, das sich anschickt, die gleichen Ziele wie Archer und Jockers zu verfolgen, um mit schlauer Software literarische Qualität zu beurteilen und Verkaufsfähigkeit vorauszusagen.

Riesen-Tool für die Verlage? Oder doch Aushöhlung des Lektorenberufsstandes? Ratgeber für Autoren? Software, die selbst Bestseller schreibt?
Wie weit wird diese erst vor kurzem begonnene Entwicklung gehen? Man darf gespannt sein.  Am Stand hatte ich dann eine intensive Diskussion mit den Machern:
Dr. Ralf Winkler und Gesa Schöning.

Nun bricht KI mit Macht in Literatur, Kunst und Geisteswissenschaft ein. Da haben wir bald einiges zu erwarten.

Leonardo

mehr Lesen? weiterführende links: Website „Qualifiction“ und wer möchte: in der FAZ wurde von einem konkreten Versuch auf der Messe berichtet. FAZ
(leicht und locker, nicht so ganz ernst zu nehmen, aber die neuen Entwicklungsrichtungen sind doch sehr bemerkenswert).

Bodyhacking: Cyborgs in Hamburg

„Dieser „Cyborg“ öffnet Türen mit einem Chip unter der Haut.
Der Hamburger Patrick Kramer ist einer von rund 4000 deutschen Bodyhackern. Statt Schlüssel trägt er einen Mikrochip in seiner Hand….“
(HA, 5.10.2017)

Leo: Die Cyborgs sind längst unter uns, und es werden immer mehr. Ja, es könnte zur „Mode“ werden oder zum „Hype“ sich ausweiten.
In einem längeren Artikel berichtet das Hamburger Abendblatt über Dr. Patrick Kramer in Bergstedt, einem der nordöstlichen Stadtteile in Hamburg, der sich einen Chip unter die Haut setzen liess. Diese Erweiterung erleichtert ihm u.a. einige  Schlüsseldienste. Er sperrt damit z. B. seine Wohnung und sein Auto auf. Doch damit sind die Möglichkeiten längst nicht erschöpft: er hat auf dem Implantat seine digitale Visitenkarte, sein Social-Media-Profil, einen medizinischen Notfallpass mit Adressen, Blutgruppe, Krankenkasse. Mit eingesetzten elektronischen Implantaten setzt Dr. Kramer auf eine Zukunft, die den Cyborg, also eine Mischung oder Erweiterung des Menschen mit elektronischen Bauteilen, auf die nächste menschliche Entwicklungsstufe heben soll. Bereits seit drei Jahren lebt Kramer mit dem Fremdteil in seinem Körper. Nebenwirkungen gab es anscheinend nicht.
Patrick Kramer vermarktet sich selbst und seine Cyborg-Existenz, siehe seine homepage, und hat eine neue Firma -„DIGIWELL„- gegründet : Geschäftsmodell „Upgrade your Body“.

Leoonardo

Das Schachspiel, das All und die verbindende Mathematik

Technologische Fortschritte, neue Erkenntnisse und Fähigkeiten, wissenschaftliche und wirtschaftliche Umwälzungen, alles bewegt sich beschleunigend, ja stürzt geradezu einer nächsten Zukunft entgegen. Und wir werden mitbewegt, mitbeschleunigt wie in einem Strom in Richtung auf einen Katarakt. Dies hinterlässt ein mulmiges Gefühl, setzt uns bei allen Blogbeiträgen und Nachrichten immer wieder in Erstaunen. Bewusst oder unbewusst wird das rasante Wachstum, mit der alle Entwicklungen einhergehen, wahrgenommen.

Ich hatte des öfteren darauf hingewiesen: zeichnet man diese Bewegungen im Zeitverlauf auf, so ergeben sich Kurven, die alle eines gemeinsam haben:  die Graphen steigen sehr lange Zeit fast waagrecht linear nur schwach an, um dann ab einem bestimmten Punkt sich vermehrt zu krümmen und sehr rasch nahezu in die Senkrechte überzugehen.
Diesen immensen Anstieg macht man sich meist nur unzureichend klar. Um es deutlich zu machen, diene die „Reiskornlegende“, die vielfach in diversen Varianten erzählte Geschichte der Erfindung des Schachspiels, als staunenswertes Beispiel:

Mit diesem Schachspiel:

Schach_Reis_1 - 1

lernte ich von meinem Vater das Spiel. Das ist nun fast 60 Jahre her. Brett und Figuren und auch mein erstes Schachbuch (s. Bild) habe ich heute noch.
Doch packen wir die Figuren in die Schachtel.

Schach_Reis_2 - 1 (1)

Denn im Nachfolgenden ist einzig das Brett mit seinen 64 Feldern wichtig:

Schach_Reis_3 - 1

Schon sehr bald nach Erlernen des Zauberspiels hörte ich oder las ich über die legendäre Entstehungsgeschichte des Schachspiels. Das so oder in vielfältigen Abwandlungen immer wieder erzählt wird:

Der Brahmane Sissa Ibn Dahir, der im 3. oder 4. Jahrhundert in Indien lebte, erfand das Spiel, das noch Tschaturanga hieß, um dem tyrannischen Herrscher-könig Shihram, der sein Volk drangsalierte, spielerisch beizubringen, dass er ohne Bauern und Figuren nicht gewinnen kann. Diese „Belehrung“ gelang rasch und der König von Indien war begeistert von dem Spiel. Er bot Sissa an, sich selbst eine Belohnung für diese wunderbare Erfindung auszudenken.
Sissa erbat sich nur die Menge an Reiskörner, die man zusammenbekäme, wenn man auf das erste Feld des Brettes ein Korn, auf das nächste zwei, auf das folgende vier und dann auf jedes nächste Feld die doppelte Anzahl des vorhergehenden lege.
Das kam dem König lächerlich wenig vor, ja geradezu beleidigend wenig angesichts der Großartigkeit des neuen wertvollen Spieles.
Als man jedoch zu rechnen anfing, wurde schnell klar, dass man sehr bald in große Zahlen, ja schließlich unvorstellbare Größenordnung geriet. Und der König erkannte die Weisheit des Philosophen.

Diese wunderbare, märchenhafte Schilderung der Entstehung des Schachspiels grub sich tief in mein Gedächtnis ein und begleitete mich mein Leben lang. Die dahinterstehende glanzvolle mathematische Verdoppelungs-Folge (exponentielle Folge) verlor nie ihre Anziehungskraft.

Jahrzehnte nach dem ersten Kennenlernen der „Reiskornlegende“ nutzte ich diese Geschichte in den 1980er Jahren während eines Einführungskurses in die Programmiersprache „C“, einer sehr verbreiteten Sprache, die zu Anfangszeiten des PC die Sprache „BASIC“ abzulösen begann.
Mein Lehrbuch dazu war das berühmte C-Lehrbuch von Kernighan – Ritchie:
book-kernighan-ritchie
Unser Kursleiter stellte uns Thema/ Problemlösung für unseren ersten eigenständigen
C-Programmierversuch frei. Ich wählte die alte Schach-Reiskornlegende und setzte es in ein dialogorientiertes C-Progrämmchen um. Mit Nachhilfe des Kursleiters wurde es voll funktionsfähig und so konnte ich es auch zuhause an einem meiner ersten Heim-PCs (VOBIS) nach Laden eines C-Compilers (Übersetzerprogramm) für mein Anwendungsprogramm „Reiskornlegende“ ausprobieren. Es war so ausgelegt, dass man auf Anforderung die Feldnummer 1…64 eingab und das Programm ermittelte die Reiskornanzahl auf dem jeweiligen eingegebenem Feld.
Beim Feld 64 spuckte es diese riesige Zahl
9223372036864775808
aus. Eine Zahl mit 19 Stellen: 9.223.372.036.864.775.808
(in Worten:
Neuntrillionen-zweihundertdreiundzwanzigbilliarden-dreihundertzweiundsiebzigbillionen-sechsunddreisigmilliarden achthundertvierundsechzigmillionen-siebenhundertfünfundsiebzigtausend-achthundertundacht Reiskörner nur auf dem letzten 64.Feld.)
Die Summe der Reiskörner auf allen Feldern beträgt (die doppelte Zahl des 64.):
18.446.744.073.709.551.615 (18 Trillionen…)
Kein Wunder, dass der indische König den Belohnungswunsch von Sissa nicht erfüllen konnte und auch kein Wunder, dass die Standardtaschenrechner der achtziger Jahre mangels ausreichender Stellenanzeige diese Zahl nicht ermitteln und darstellen konnten.
Und zu dieser Zahl gelangt man durch „lediglich“ 63-malige Verdoppelung beginnend
bei 1.

Wiederum Jahrzehnte später habe ich vor kurzem, in Vorbereitung dieses Beitrages, die Zahlenverdoppelungsfolge in ein Tabellenkalkulationsprogramm (Excel) eingegeben. Excel hat längst Programmierkenntnisse (wie damals C) weitgehend überflüssig gemacht. Die Verdoppelung der Reiskörner auf dem Schachbrett:

Schach_Reis_4 - 1

ergibt in Sekundenschnelle in der Excel-Tabelle:

Schach_Reis_4a - 1

ab 50 geht es so richtig in die Vollen, und bei Verdoppelung des 50. Feldes geht Excel ein wenig in die Knie und beginnt bei einer Billiarde ein  klein wenig ungenau zu werden (Rundung auf 0 bei der letzten Stelle); Programm Numbers von Apple macht übrigens an dieser Stelle das gleiche.

Schach_Reis_4b - 1

Rasch lässt sich mit Excel die Zahlenkolonne in eine Grafik wandeln. Für die Hälfte der Felder (bis 32) zeigt sich nachstehender Verlauf:

schach_Reiskörner_5Dia2

So richtig sichtbar wird die Verdoppelung erst ab Feld 25, 26, doch dann geht es sehr  steilkurvig aufwärts zu den großen Zahlen.

Schauen wir uns mal die Grafik für alle 64 Felder an:

schach_Reiskörner_5Dia1

Ähnlicher Kurvenverlauf, die Skala ist um viele Größenordnungen gewachsen. Feld 32 hat sich zu den anderen nahe der x-Achse gereiht. Die exponentielle „Lösung“ (Explosion, Take off) vom nahezu linearen Verlauf nahe der x-Achse beginnt erst bei Feld 55, 56, aber dann mit größerer Steilheit als in der Grafik mit den 32 Feldern in den Trillionenbereich.

Da sich kein Mensch diese Größenordnungen richtig vorstellen kann, muss man zu plastischen Beispielen greifen, um diese Zahlen begreifbar zu machen. Viele gute Beispiele finden sich im Netz. Gut gefallen hat mir diese filmische Darstellung der Reiskornlegende auf YouTube. Sogar google maps wurde zu Hilfe genommen, um die resultierende „dreidimensionale Bedeckung“ Deutschlands darzustellen:

 

Noch nicht beeindruckt von der Wucht exponentiellen Wachstums?

Ich werde mal ein eindimensionales Vergleichsbeispiel geben: Nehmen wir an, die  Reiskörner seien alle nur 1mm lang (um einfacher zu rechnen) und wir legen die Reiskörner nicht aufeinander sondern hintereinander, sodass sie eine wachsende Strecke bilden.
Nach der Hälfte der Schachfelder (32) erhalten wir eine 2.147 km lange Reiskornstrecke.
Zwischen dem 40. und 41. Feld erreichen wir mit unserer Reiskörnerkette bereits den Mond (ca. 400.000 km).
Mit dem 49. Feld sind wir schon bei der Sonne angelangt (Ca. 150 Millionen Kilometer).
Ab da rechnen wir der Einfachheit halber mit einer anderen Einheit: die Astronomen haben die mittlere Entfernung von der Erde zur  Sonne (149.597.870 km) als 1 Astronomische Einheit (AE) festgelegt.
Alle Reiskörner auf allen 64 Feldern erreichen hintereinander gelegt, die Hälfte der Entfernung zu Proxima Centauri dem nächsten Stern (ca. 266.000 AE).
Natürlich erreichen wir Proxima Centauri wg. Verdoppelung bereits nach 65 Feldern (zweites Schachbrett daneben gelegt). Das Licht braucht dazu mehr als vier Jahre.
Sehr rasch mit nur wenigen Schachfeld-Reiskörner-Verdoppelungen durcheilen wir nun die Milchstraße und anschließend einige überschaubare Felder weiter kommen wir an den Rand unseres sichtbaren Universums. Die Entfernung zu dem Rand dieses sichtbaren Universums wird von den Astronomen mit 46,6 Milliarden Lichtjahre angegeben. Ein schönes künstlerisches Abbild gibt es bei Wikipedia zu sehen.

Schwirrt ein wenig der Kopf? Ok, dann ist mein Ziel erreicht: Ich wollte verdeutlichen, welche Wucht diese Verdoppelungskurve in sich trägt. Man kann sich die Auswirkungen dieser Explosion kaum groß genug ausmalen.
Übertragen wir nun diese exponentielle Kurvenform, die Verdoppelungsthematik  auf die Vermehrung unseres Wissens und die Entwicklungen unserer Technologien, auf die Kapazitäten und Rechengeschwindigkeit unserer Computer, so können wir ahnen, was uns bevorsteht. Dass der Kurvenverlauf so erfolgt, ist ohne Zweifel. Einzig offen ist die Frage, an welcher Stelle, auf welchem „Feld“ wir aktuell stehen und wie nahe wir dem „Take Off“ sind.
Verschärft wird die Entwicklung zudem noch durch zunehmende, beeinflussende Triggerung bisher getrennter Themenfelder und durch sich generell verkürzende Zeitverläufe für den Verdopplungsablauf.
Eine wachsende Zahl von Wissenschaftlern hält einen „Take Off“ bei der Künstlichen Intelligenz innerhalb der nächsten Dekade für wahrscheinlich. Das heißt, die wichtigste Weggabelung für die Menschheit liegt noch in unserem Lebenserwartungshorizont.
Wir müssen darüber nachdenken und reden!

Leonardo

mehr Lesen? weiterführende links: empfehlenswerter Blog von Tim Urban:

The AI Revolution: The Road to Superintelligence

 

 

Von der Gen-Analyse zum Phantombild

„Der Genanalyse-Pionier Craig Venter, der das menschliche Genom dechiffriert hat, macht im Rahmen einer Studie mit der Behauptung von sich reden, er könne anhand der DNA von Menschen Gesichter identifizieren…“

mehr Lesen? weiterführende links:  Heise und Craig Venter

Leo: Eigentlich war uns dies doch immer klar, dass unser Aussehen irgendwie in den Genen festgeschrieben ist, sehen unsere Kinder oder unsere Eltern uns doch ähnlich; bei eineiigen Zwillingen ist es ja besonders deutlich. Aber irgendwie wirkt diese Nachricht doch verstörend, dass es nun möglich sein  soll, allein aus den Genen ein künstliches Bild zu generieren, das das Gesicht des „Geninhabers“ zeigt. Wofür dies nützlich sein kann? Nun, da fallen einem rasch diverse „Anwendungen“ ein. Wer denkt da nicht an effizientere Verbrecherjagden, wenn man aus aus am Tatort hinterlassenen Genspuren ein Fahndungsbild ausarbeiten kann.
Im Hamburger Abendblatt war in der letzten Woche ein interessanter Artikel zu lesen mit dem Titel: “

Was das Nasensekret im Gebetbuch der Forschung verrät
Biologen entlocken alten Büchern nach Jahrhunderten die letzten Geheimnisse. Aus dem Pergament isolieren die Forscher DNA von Menschen…“
(HA, 21.9.2017)

Wer hat nicht schon, zumindest trotz stärkerer Grippe lesend, in sein Buch gehustet, genießt, etc. Nun können unsere Wissenschaftler auch nach Jahrhunderten diese „eingetrockneten Spuren“ aus den antiquarischen Folianten herausarbeiten und die DNA filtern.
In Kombination mit Venters neuer Technik liesse sich dann auch das Gesicht des Lesers aus dem 16. Jahrhundert nachbilden. Tolle Aussichten!

Künstliche Muskeln mit Riesenkräften

„Forscher der Columbia University konnten einen synthetischen Muskel realisieren , der das Tausendfache seines eigenen Gewichts anheben kann.“…

mehr Lesen? weiterführende links:  PC-Welt und Mail-Online

Leo: Die Muskeln werden mit 3D-Druckern gedruckt. Die Herstellung des modernen Frankenstein nimmt Fahrt auf. Nach der Nachbildung des Denkens und des Geistes geht es auch um Knochen und Fleisch. Das Gehirn braucht ein Substrat, das eine „übermenschliche“ Kraft besitzen soll.